Müllenergie

MüllEnerg-PreiWinBa

Habt ihr diese Abkürzung schon einmal gehört?

Noch nicht gehört und schon beschleicht einen das erschlagende Gefühl "Willkommen im Vorgestern"?
Schnell ins Internet und Suchmaschine anwerfen?
SMS funken, mit den Kumpels treffen und auf einem SOS-Treffen nachfragen?

So ein "MüllEnerg-PreiWinBa" könnte tatsächlich ungeahnte Energie-Schübe in Gang setzen.
MüllEnerg-PreiWinBa ist kein neuer Stromkonzern und auch keine Melodiefolge für Handys. MüllEnerg-PreiWinBa ist vielmehr eine absolut neue Abkürzung für Gebiete bzw. Unternehmungen, die scheinbar wenig miteinander zu tun haben:

Müll - steht für Müll
Energ - steht für Energie
Prei - steht für Preis eines Umweltwettbewerbes
Win - steht für Windkraftanlage
Ba - steht für Badespaß

Versuchen wir es einmal der Reihenfolge nach und etwas systematischer.
Im wohnortnahen Schulzentrum für Arbergen, Hemeilingen und Mahndorf wurde von November 1999 bis zum März 2000 ein Umwelt-Wettbewerb durchgeführt, an dem alle Klassen der Schule beteiligt waren. Er umfasste zwei Teile.

Beide Teile (Müll/Energie und Kreativbeiträge) wurden gepunktet und prämiert. Nur solche Klassen bzw. Häuser hatten eine Gewinnchance, die in beiden Wettbewerbsteilen aktiv waren bzw. gute Ergebnisse erzielten. Als Anreiz winkte ein Preis von 1500,- DM, der vom Bremer Energie-Konsens gestiftet wurde. Diese 1500,- DM durften aber nicht für Cola, Chips oder Handy-Karten draufgehen, sondern, --- wir befinden uns ja schließlich in einer öffentlichen Bildungseinrichtung -- mussten zweckgebunden ausgegeben werden: Es sollte eine Unternehmung bzw. eine Klassenfahrt sein, die mit dem Thema Energie zu tun hat.

And the winner iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiis: Das Haus 10 c,d,k,s.

Doch was macht der Winner? Wo soll es hingehen? Die Lehrer kümmerten sich, denn Schule soll ja schließlich auch ein Dienstleistungsbetrieb sein. Aber die Lehrer wären nicht Lehrer, wenn sie nicht nur die harte, anstrengende Lern- und Erfahrungsseite der Schüler sehen würden, sondern auch die für die Kinder so wichtige Spaß-Seite voll berücksichtigten. Das Ergebnis: Eine Busfahrt nach Westerholt (kleiner Ort in Ostfriesland), wo eine Windkraftanlage besichtigt werden sollte und anschließend die Weiterfahrt nach Bensersiel, wo die Wellen eines Meerwasser-Schwimmbades warteten.

Und wie war die Reaktion beim Winner?
Freude? Verhaltene Freude? Riesige Freude? Gleichgültigkeit? Verhaltene Gleichgültigkeit? Manifeste Gleichgültigkeit? Ablehnung? Verhaltene Ablehnung? Manifeste Ablehnung? Die Lehrer müssen ja nicht alles wissen!
Am Freitag, den 1. September, kurz nach 7.30 ging es dann los: Zwei Busse starteten am Schulzentrum. Nach zwei Stunden war Westerholt erreicht. Das Informationszentrum für die Windkraftanlage war mit einer Gokart-Bahn gekoppelt. Dort befand sich ebenfalls ein Video-Raum, wo ein 30-minütiger Film über die Technik von Windkraftanlagen gezeigt wurde. Zehn Minuten musste dann noch gelaufen werden, um zu einem Turm zu gelangen, den man hinaufsteigen konnte. Oben befand sich direkt unter dem Kopf mit den Rotorblättern eine Aussichtsplattform. Doch bevor so etliche Raucherlungen die 300 Stufen bewältigen konnten, gab es eine 5-minütige Einführung über die Windkrafttechnik des vor ihnen stehenden Turmes, die wirklich interessant und verständlich war. Der dann freigegebene Aufstieg war ein Erlebnis und die Plattform konnte auch einiges bieten: Obwohl nur Windstärke 3 herrschte, spürte man dort oben ein leichtes Schwanken und Kreischen gehörte zur Steigerung des Höhenerlebisses. Wer schaute, dem bot sich bei gut 60 Metern Höhe ein herrlicher Rundblick, doch leider waren wegen des diesigen Wetters die ostfriesischen Inseln (Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney) nicht zu erkennen. Das Gokart-Angebot, das natürlich privat bezahlt werden musste, wurde von einigen Jungen und einem Mädchen wahrgenommen. Schumachers Vorname ist ja auch Michael und nicht Michaela. Die Gokart-Fahrer mussten natürlich auch den Videofilm sehen und die Turmbesichtigung mitmachen; so hatte jeder sein persönliches Highlight.

Der "Windenergiepark Holtriem", so die offizielle Bezeichnung, umfasst 35 Windräder, die pro Jahr 130 Millionen kWh produzieren, was einem Strombedarf von 37.000 4-Personen-Haushalten entspricht. Beeindruckend die Zusammenstellung, die angibt, welche Mengen pro Jahr durch die gesamte Windenergieanlage vermieden werden: Rund 1000 Tonnen Schwefeloxid, rund 145.000.000 Tonnen Kohlendioxid, rund 370.000 Tonnen Stickoxid, rund 4 Tonnen Atommüll.

Von Westerholt ging dann die Fahrt weiter nach Bensersiel, dem Küstenort, der einen Badestrand und ein Meerwasser-Schwimmbad zu bieten hat. Die gesamte Fahrt war so geplant, dass auch ein Baden am Strand zur Hochwasserzeit (eine Stunde vor bis eine Stunde nach HW) möglich gewesen wäre. Das Wetter war aber nicht danach und so landeten die Badebegeisterten im Meerwasser-Schwimmbad, das immerhin eine Wassertemperatur von 26 Grad Celsius hatte. Die meisten Schüler jedoch verhielten sich wie versierte erwachsene Kurortbesucher: Schlendern, Sitzen, Reden, Erzählen, Essen, Trinken, Rauchen, Telephonieren, Schauen, Geschaut werden, Schoppen. Der Besuch des Strandbades hat wohl allen gefallen.

Die Busse standen abfahrbereit, die Stimmung war gut, beim Durchzählen fehlte keiner, viele wirkten schon ein bisschen müde, ein rundherum erfolgreicher Tag. Auch ein PreiWinBa geht einmal zu Ende. "PreiWinBa" --- was war das gleich noch für eine Abkürzung?

Habt ihr diese Abkürzung schon einmal gehört?

Noch nicht gehört ..............